BDZ vom 17. Mai 2026
„Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ (Mt 28,19-20a) Am Fest Christi Himmelfahrt werden die letzten Worte Jesu an die Seinen im Matthäusevangelium gelesen: „Macht alle zu meinen Jüngern!“, heißt es da. Der Satz ist den meisten Christen hierzulande peinlich. Die einen finden...
„Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ (Mt 28,19-20a)
Am Fest Christi Himmelfahrt werden die letzten Worte Jesu an die Seinen im Matthäusevangelium gelesen: „Macht alle zu meinen Jüngern!“, heißt es da.
Der Satz ist den meisten Christen hierzulande peinlich. Die einen finden ihn einfach übergriffig oder haben schlechte Erfahrungen mit „Jünger-Machern“ gemacht. Für andere ist das der Beginn der Verbrechensgeschichte des Christentums. Vielen ist es schlicht egal, ob man Christ ist oder nicht. Wieder andere glauben, sie sollten alle zu aus ihrer Sicht „guten Menschen“ erziehen, und arbeiten an einem möglichst effektiven politischen System, das uns diesem Ziel näherbringt.
Wie immer ist an alledem etwas dran. Auch ich bin schon nervigen Missionaren begegnet, habe Verachtung gegenüber Andersgläubigen erlebt und Verbrechen im Namen Gottes gesehen. Aber der Missbrauch von Gutem disqualifiziert nicht das Gute selbst. Das gilt für Vertrauen und Sexualität, für Glauben und Macht gleichermaßen.
Wichtige, lebensprägende Beziehungen wollen wir nicht für uns behalten. Menschen, die uns wichtig sind, sollen daran Anteil bekommen. Wer einen andern liebt, möchte, dass seine Freunde den geliebten Menschen kennen lernen. Wer einen Lebenslehrer findet, will, dass auch andere ihn hören. Und wem ein Arzt das Leben rettete, wird ihn anderen Kranken dringend empfehlen.
Wo das Christentum nicht mehr nur Konvention und Gewohnheit ist, gilt dasselbe auch für die Gottesbeziehung der Christen. Ich erlebe häufiger als früher, wie Menschen durch die Erzählung, die Freundschaft oder das Zeugnis anderer (übrigens nicht selten auch im Netz) Jesus kennenlernen. Und der bringt ihnen wie niemand zuvor Gott nahe. Durch die Verbundenheit mit Jesus hat sich ihre Beziehung zu Gott, zu ihren Nächsten und zu sich selbst grundlegend verwandelt. Mission ist, wovon die Liebe nicht schweigen darf.
Die Jüngerinnen und Jünger Jesu sind nicht narkotisierte Lemminge um einen egomanen Guru. Sie sind Menschen, die zu sich gekommen sind. Die erfahren haben, dass sie als Geliebte nicht zur Schuld verdammt, sondern zur Freiheit und Liebe berufen und befähigt sind. Aus gelähmten Menschen werden geistbewegte, aus Angsthasen Kämpfer für das Gute, aus Opfern werden Heiler und aus Tätern werden Büßer und bewährte Bewährungshelfer für andere.
Kann man Jünger „machen“? Offenbar. Aber ich würde damit beginnen, mich selbst zu einem machen zu lassen. Und dann die bestmöglichen Bedingungen zu schaffen und das Meine dazu zu tun, dass möglichst viele den Ruf in die Freundschaft Gottes hören und erfahren, dass er mit ihnen ist „alle Tage bis zum Ende der Welt“.
Fra‘ Georg Lengerke
Link zum Beitrag