BDZ vom 1. Februar 2026
„Und ich lasse in deiner Mitte übrig ein demütiges und armes Volk.“ (Zef 3,12) In Gesprächen über die Zukunft der Kirche taucht mitunter der Begriff vom „heiligen Rest“ auf. Darunter wird dann entweder das verstanden, was von der Kirche in einer nahezu vollständig säkularen Welt einmal übrig sein wird, oder eine relativ kleine Zahl der Treuen und Frommen in einer säkularisierten Kirche, die vor allem um gesellschaftliche Relevanz, wirtschaftlichen Erfolg...
„Und ich lasse in deiner Mitte übrig ein demütiges und armes Volk.“ (Zef 3,12)
In Gesprächen über die Zukunft der Kirche taucht mitunter der Begriff vom „heiligen Rest“ auf. Darunter wird dann entweder das verstanden, was von der Kirche in einer nahezu vollständig säkularen Welt einmal übrig sein wird, oder eine relativ kleine Zahl der Treuen und Frommen in einer säkularisierten Kirche, die vor allem um gesellschaftliche Relevanz, wirtschaftlichen Erfolg und politische Macht besorgt ist.
Der Begriff vom „heiligen Rest“ bezeichnet bei den Propheten Israels den Teil des Volkes Gottes, der durch eine Katastrophe hindurch bewahrt wird und/oder Gott treu bleibt: im Exil, unter der Fremdherrschaft einer Macht mit fremden Göttern, in Zeiten des Abfalls vom Bund mit Gott zugunsten anderer Mächte und im anschließenden Gericht Gottes.
Heute polarisiert die Formulierung. Ich war mal dabei, als jemand vom „heiligen Rest“ sprach und ein Bischof äußerst verärgert ausrief, er könne diesen Kampfbegriff nicht mehr hören und woher sein Gesprächspartner bitte wisse, wer zum Rest dazu gehöre und wer nicht.
Ich kann das Unbehagen verstehen. Die einen scheinen sich ihrer Zugehörigkeit zum „heiligen Rest“ allzu sicher zu sein. Die anderen verwenden ihn spöttisch, um eine Minderheit zu desavouieren.
Aber „der Rest von Israel“, von dem Zefania spricht, das sind gar nicht die letzten treuen Helden. Er ist „ein demütiges und armes Volk“. Demütig ist dieses Volk, weil es sich nicht größer und nicht kleiner(!) macht, als es ist. Arm ist es, weil ihm alles genommen ist, was es in den Augen der Welt groß, reich und bedeutend gemacht hat. Dieser Rest verdankt sich nicht der Treue der Frommen, sondern der Treue Gottes. Wenn keiner mehr was von ihnen wissen will, hat Gott das Entscheidende für sie übrig. Gott selbst wird ihr eigentlicher Reichtum sein.
Mir scheint, eine Besinnung auf zwei Ebenen tut not: Was oder wer wird übrigbleiben, wenn der Kirche in Deutschland mal das Geld ausgegangen, die Macht genommen und ihre Rolle als zweitgrößter Arbeitgeber des Landes ausgespielt sein wird?
Und was oder wer bleibt übrig in mir und um mich, wenn die Kirche nicht mehr vor Ort alltäglich erfahrbar da ist? Wird sie vermisst als betende und feiernde, sorgende und teilende Gemeinschaft derer, die miteinander teilhaben und einander teilgeben an heiligen Dingen?
Davon handeln die Seligpreisungen: dass Gott etwas anzufangen weiß mit den Übriggebliebenen: mit den Armen, den Trauernden und Sanftmütigen, mit den Barmherzigen und den Herzensreinen, den Friedensstiftern und den Verfolgten um der Gerechtigkeit willen.
Und gleiches gilt in mir (vgl. die Lesung 1 Kor 1, 26–31): Wenn mein Bescheidwissen sich verlaufen und mein Alleskönnen sich erschöpft hat, dann – endlich – kann Gott mit meinem „heiligen Rest“, meiner Torheit, meiner Schwachheit und dem, was ich in mir verachtet habe, etwas Neues beginnen.
Und das ist mein Glück.
Fra‘ Georg Lengerke
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