BDZ vom 29. März 2026
„Dein König kommt zu dir“ (Mt 21,5) „Der Krieg ist wieder in Mode und die Kriegsbegeisterung breitet sich aus“, sagte Papst Leo XIV. in seiner Neujahrsansprache an das Diplomatische Korps. Und einer der Protagonisten des Nahostkrieges zitierte letzte Woche den Historiker Will Durant: Die Geschichte zeige, dass Jesus Christus bedauerlicherweise keinen Vorteil gegenüber Dschingis Khan habe. Wenn es stark, rücksichtslos und mächtig genug sei, werde das Böse das Gute besiegen....
„Dein König kommt zu dir“ (Mt 21,5)
„Der Krieg ist wieder in Mode und die Kriegsbegeisterung breitet sich aus“, sagte Papst Leo XIV. in seiner Neujahrsansprache an das Diplomatische Korps. Und einer der Protagonisten des Nahostkrieges zitierte letzte Woche den Historiker Will Durant: Die Geschichte zeige, dass Jesus Christus bedauerlicherweise keinen Vorteil gegenüber Dschingis Khan habe. Wenn es stark, rücksichtslos und mächtig genug sei, werde das Böse das Gute besiegen.
Müsste also, so könnten wir zurückfragen, das Gute nach irdischen Kriterien immer noch stärker, noch rücksichtsloser und noch mächtiger sein, um das Böse zu besiegen? Oder war es das je? Und lassen sich metaphysische Kategorien wie „das Gute“ und „das Böse“ wirklich so eindeutig auf irdische Mächte als „die Guten“ hier und „die Bösen“ dort übertragen?
Am Palmsonntag erinnert die Kirche an den Einzug eines Königs nach Jerusalem, der sich dem Vergleich mit dem Mongolenherrscher des 13. Jahrhunderts entzieht.
„Wer ist dieser?“, wird in Jerusalem gefragt, als Jesus auf einer Eselin in die Stadt einzieht. „Das ist der Prophet Jesus von Nazareth in Galiläa“, lautet die sehr nüchterne Antwort „der Leute“. Aber der Eindruck der Menschen am Wegrand ist ein anderer. Der Evangelist Matthäus erzählt, der Einzug Jesu habe die Verheißung der Propheten vom Kommen eines messianischen Königs erfüllt: „Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig und er reitet auf einer Eselin…“ (Mt 21,5; vgl. Jes 62,11, Sach 9,9) Und die Leute im Festzug singen den 118. Psalm: „Hosanna, dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn.“
Dieser König hat keine Armee und keine Waffen. Er kommt nicht an der Spitze von Legionen, sondern inmitten einer singenden Menge. Sein Königtum ist nicht von dieser Welt (Joh 18,36). Wenngleich es in ihr schon beginnt und wirksam wird.
Die Kirche ist weder naiv noch weltfremd. Sie kennt die beschämende Erfahrung des falschen Gebrauchs irdischer Macht und braucht sich über die Welt nicht zu erheben. Sie weiß um Sünder, die im Recht oder im Unrecht sind. Sie kennt das Recht auf Verteidigung und strenge Kriterien für den „gerechten Krieg“. Sie verkündet die Friedensbotschaft des Evangeliums, müht sich um den Frieden und hört nicht auf, um ihn zu beten.
In diesen Tagen aber singt sie die Lieder von jenem König des Friedens, der hinabsteigt in die Verzweiflung, den Streit und den Tod der Welt, um sie von unten zu erlösen. Sie singt „Vom Holz herab herrscht unser Gott“ (Venantius Fortunatus), weil die Liebe des Gekreuzigten dem Hass und dem Tod standhält – und auch den Hasserfüllten gilt um ihres Heils willen.
Vor ihm – so sagt die heutige Lesung aus dem Philipperbrief – werden einmal „alle … ihre Knie beugen“ (Phil 2,10). Sieger und Verlierer. Gerechte und Ungerechte. Auch Dschingis Khan. Und ich.
Und wer weiß? Vielleicht wird der Mongolenfürst dann lächeln über seine kleine Größe und seine vergötzte Macht und jubeln über den, der zu ihm hinabstieg, um ihn zu retten.
Wenn das so ist, dann will ich es ihm gleichtun.
Fra‘ Georg Lengerke
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