BDZ vom 3. Mai 2026
„Kommt zum Herrn, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist! Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen…“ (1 Petr 2,4-5a) Wer nicht schlafen kann, dem empfehle ich, sich vorzustellen, er könnte unter Wasser atmen und würde sich immer tiefer und tiefer hinablassen – bis auf den tiefsten Grund des Meeres. Dieses Auf-den-Grund-Gehen kann uns eine große Ruhe und...
„Kommt zum Herrn, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist! Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen…“ (1 Petr 2,4-5a)
Wer nicht schlafen kann, dem empfehle ich, sich vorzustellen, er könnte unter Wasser atmen und würde sich immer tiefer und tiefer hinablassen – bis auf den tiefsten Grund des Meeres. Dieses Auf-den-Grund-Gehen kann uns eine große Ruhe und Festigkeit geben. (Auch dann, wenn wir nicht gerade einschlafen wollen.)
Daran muss ich denken, wenn es im Neuen Testament heißt, Jesus Christus sei der Grundstein, das Fundament, auf dem die Kirche gebaut ist. Zu ihm sollen wir kommen, sagt der Erste Petrusbrief. Um dann allerdings hinzuzufügen, er sei „von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden“. Es ist etwas Besonderes um diesen Grundstein: „die Menschen“ haben ihn weggeworfen und Gott hat ihn geehrt.
Die Christen haben auf einen Verlierer, einen Verworfenen gebaut, wird man ihnen von den Tagen des Neuen Testaments bis heute vorhalten. Und gerade das sei die Rettung der Welt, antworten die Christen seitdem. Denn Christus lässt sich verwerfen, um die Verworfenen und Verlorenen aus der Dunkelheit ins Licht, in die Ehre Gottes zu heben. – Auch jene, die sich längst im Lichte wähnen, weil sie es verwechseln mit ihrer Anerkennung durch andere.
„Kommt zum Herrn, dem lebendigen Stein“, heißt es da. Aber nicht, um sich nur auf ihm auszuruhen. Sondern, um selbst ein „lebendiger Stein“ zu werden, der ein Teil von etwas ungekannt Neuem wird.
„Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen“, heißt es in der Lesung weiter. Nicht: „baut ein Haus“, sondern „lasst euch aufbauen“. Das verstehe ich heute besser als vor 30 Jahren. Früher hätte ich lieber gebaut, seither wird meine Bereitschaft größer, mich einbauen zu lassen – da, wo ich gerade bin oder dringender gebraucht werde; da, wo meine Gaben und Mühen dazu dienen, dieses Haus zu dem zu machen, was es von Gott her sein soll.
Das „geistige Haus“ ist die Kirche, die Gemeinde. Auch dieses Haus bedeutet Schutz und Heimat, Familie, Gemeinschaft und Gastfreundschaft – aber um Gottes und seiner Liebe zu den Menschen willen. Es ist der Ort einer „königlichen“ und „heiligen Priesterschaft“, in der einer den anderen vor Gott bringt.
Ich bin dieser Tage in London, um einige missionarische Projekte und Bewegungen kennenzulernen. Hier werde ich an die Freude erinnert, zu diesem Haus zu gehören, in das jeder Mensch eingeladen ist, damit die Verachteten mit ihren Verächtern aus der Dunkelheit ins Licht, aus der Verachtung der Menschen in die Ehre Gottes finden. Und damit der Grundstein für keinen zum Stolperstein wird, an dem er zu Fall kommt.
Fra‘ Georg Lengerke
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