BDZ vom 2. August 2026
„Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt,und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?“ (Jes 55,2) Selbst Behörden weisen uns derzeit darauf hin, genug zu trinken. Wer nicht genug trinkt, wird matt und müde, mitunter sogar verwirrt. Nachmittags steht auf meinem Schreibtisch ein großes Glas Wasser mit einer ausgepressten Zitrone. Erst als das Glas irgendwann leer war, fiel mir neulich auf, wie reduziert ich vorher...
„Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt,
und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?“ (Jes 55,2)
Selbst Behörden weisen uns derzeit darauf hin, genug zu trinken. Wer nicht genug trinkt, wird matt und müde, mitunter sogar verwirrt. Nachmittags steht auf meinem Schreibtisch ein großes Glas Wasser mit einer ausgepressten Zitrone. Erst als das Glas irgendwann leer war, fiel mir neulich auf, wie reduziert ich vorher war.
Ich glaube, dass man sich an ein reduziertes Leben gewöhnen kann. Biologisch, intellektuell und spirituell. Wer sich gewöhnt hat, nimmt den Mangel nicht mehr wahr oder hält ihn für normal. Er ist nicht nur mittagsmüde, wie ich es vor meinem Glas Wasser war. Er ist schon in der Lebensmitte lebensmüde.
Diese Lebensmüdigkeit ist nicht suizidal. Im Gegenteil, sie müht sich mit aller verbleibenden Kraft um Lösungen, die keine sind. Gegen Austrocknen hilft Trinken. Aber Trinken ist zu billig. Trinken kann schließlich jeder. Große Probleme brauchen große Lösungen. Was nichts kostet, ist auch nichts wert. Manchem kommt seine Lebensmüdigkeit unvergleichlich vor, als große Lebenstragik, gegen die kein Kraut gewachsen oder gefunden ist. Und so probiert der verzweifelt Erschöpfte eines um das andere aus.
Beim Propheten Jesaja fragt Gott nach der vergeblichen Liebesmühe der Lebensmüden: „Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?“ Wie kommt es, so könnten wir uns weiter fragen, dass wir Mühen, Geld und Lebenszeit auf Güter, Gefühle oder Erfolge verwenden, von denen wir eigentlich längst wissen, dass sie uns nicht lebendiger und froher, weiser und liebender, sondern nur noch müder und trauriger, törichter und einsamer machen?
Vielleicht wurde die Mühe um „Nichtbrot“ und „Nichtsättigendes“ (Martin Buber) noch keiner Menschengeneration so drastisch vor Augen geführt wie uns medial Überforderten.
Jesaja belässt es nicht bei der Frage. „Ich schließe mit euch einen ewigen Bund“, sagt Gott. In dieser unauflöslichen Beziehung wird der stumme Schrei des Dürstenden gehört. Und er selbst hört hier eine Stimme, ein Wort, eine Botschaft, die bewirkt, dass seine Seele „auflebt“. So wie der Leib von dem Glas Wasser in der Mittagshitze.
Es ist kein Zufall, dass heute auch die Geschichte der Speisung der Fünftausend bei Matthäus (14,13-21) gelesen wird. Sie ist nicht bloß eine Lehrstunde über das Teilen. Sondern eine Offenbarung, dass in Jesus der Gott des Bundes ein menschliches Antlitz bekommen hat. Er selbst ist das Brot und die Quelle, die uns lebendig machen.
Indem wir auf sein Wort hören, seine Sorge um uns zulassen und mit seinem Wirken mitwirken, werden wir als Betende und Liebende an der Quelle leben, die über Machbarkeit und Verdienst hinaus für uns sorgt. – Wenn wir nur nicht vergessen, mit der Seele wie mit dem Leib einfach wieder und wieder reichlich zu trinken.
Fra‘ Georg Lengerke
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