BDZ vom 1. März 2026
„Und Petrus antwortete und sagte zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen.“ (Mt 17,4) Sonntags feiere ich in der Regel die Heilige Messe in der Asamkirche in München. Die ist auch sonst nicht leer. Täglich besuchen Hunderte von Touristen die bekannte, 1746 fertiggestellte Rokoko-Kirche der Gebrüder Cosmas und Egid Asam. Einige setzen sich und staunen, immer wieder sieht...
„Und Petrus antwortete und sagte zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen.“ (Mt 17,4)
Sonntags feiere ich in der Regel die Heilige Messe in der Asamkirche in München. Die ist auch sonst nicht leer. Täglich besuchen Hunderte von Touristen die bekannte, 1746 fertiggestellte Rokoko-Kirche der Gebrüder Cosmas und Egid Asam. Einige setzen sich und staunen, immer wieder sieht man auch betende Besucher. Die meisten allerdings kommen nur kurz, sehen auf den Bildschirm ihres Handys, mit dem sie einige Bilder oder gleich ein kleines Filmchen machen, um dann wieder zu gehen. Was werden die gesehen haben? Und was hat es ihnen gesagt?
An das Bedürfnis, einen Moment, einen Eindruck festzuhalten und ihn vor lauter Festhaltenwollen gerade so zu verpassen, muss ich bei der Szene der Verwandlung Jesu auf dem Berg denken.
Petrus will den unbegreiflichen Moment festhalten, in dem er den verwandelten Jesus im Gespräch mit Mose und Elija sieht: „Herr, hier ist gut sein!“ übersetzt Martin Luther, und dann schlägt Petrus vor, drei Hütten zu bauen.
Wenn man versucht, einen vielsagenden Moment einzufangen und festzuhalten, statt hinzuhören und sich erreichen zu lassen, dann verstummt und stirbt der Moment. Was bleibt, ist ein stummes Bild, ein unverstandenes Wort oder ein falsches Ideal.
In der Flut von Bildern und Tönen, die uns erreichen und beliebig speicher- und wieder abrufbar zu sein scheinen, ist es entscheidend wichtig, den gegenwärtigen Augenblick in seiner Kostbarkeit und Unwiederholbarkeit wahrzunehmen und lieben zu lernen.
Petrus hat schon recht: „Hier ist gut sein!“ Es ist gut, dass die Jünger da sind. Und es wäre wichtig, dass sie da bleiben. Aber bleiben heißt hier eben nicht, auf dem Berg zu bleiben in seliger Schau. Es heißt auch nicht, in der schönen Erinnerung der aufgenommenen Bilder zu bleiben. Es heißt, im jeweiligen Augenblick zu bleiben. Und bei dem, in der Gegenwart dessen zu bleiben, den sie auf dem Berg erkannt haben.
Auf dem Berg zeigt sich Jesus als der, von und mit dem das Gesetz (Mose) und die Propheten (Elija) sprechen. Er ist selbst das Licht, das von Gott kommt, das den Menschen ins rechte Licht rückt und in dem der Mensch erkennt, worauf es ankommt, und was es ist um Gott und die Welt.
Man sollte die Verklärung Jesu nicht ohne die anschließende Szene lesen. Die Jünger müssen – von der Erfahrung auf dem Berg geprägt – mit Jesus wieder in die Niederungen der Welt und ihrer Nöte gehen. In die Hysterie und die echte Angst, in die Streitigkeiten in Kirche und Gesellschaft, in die Not der Geflüchteten und die Furcht der Beheimateten. Solange sie bei dem bleiben und mit dem kommunizieren, den sie auf dem Berg erkannt haben, können sie überall sagen: Wo immer wir sind, bei dir sind wir richtig! Hier ist gut sein!
Fra‘ Georg Lengerke
Link zum Beitrag