BDZ vom 10. Mai 2026
Petrus und Johannes „beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen. Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur getauft auf den Namen Jesu, des Herrn.“ (Apg 8,15-16) Für viele Menschen ist heute die Tatsache, dass sie getauft sind, nicht weiter von Belang. Es ist lange her, sie wurden nicht gefragt, die Kirche und das Leben in ihr sind ihnen fremd. Es gibt allerdings auch...
Petrus und Johannes „beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen. Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur getauft auf den Namen Jesu, des Herrn.“ (Apg 8,15-16)
Für viele Menschen ist heute die Tatsache, dass sie getauft sind, nicht weiter von Belang. Es ist lange her, sie wurden nicht gefragt, die Kirche und das Leben in ihr sind ihnen fremd.
Es gibt allerdings auch Christen, die mit der Kirche verbunden leben, für die die Taufe letztlich eine Formalie und das Getauftsein bloß ein kirchenrechtlicher Status ist.
Die Taufe ist ein Zeichen, welches bewirkt, dass ein Mensch zu Christus und seiner Kirche gehört. In ihr glaubt und erfährt er, dass Jesus Christus am Leben der Menschen Anteil nimmt und an seinem göttlichen Leben Anteil gibt. Diese Zugehörigkeit ist mehr als ein Status. Sie ist Voraussetzung für eine neuartige, lebendige Beziehung zu Gott und den Menschen.
Dass die Taufe zwar einen Status begründet, aber noch nicht als lebendige Beziehung erfahren wird, ist nicht neu. Schon die Apostelgeschichte berichtet von Menschen, die zwar „auf den Namen Jesu getauft“ waren, also formal zu ihm und den Seinen gehörten. Doch der Heilige Geist „war noch auf keinen von ihnen herabgekommen“.
Sie waren getauft, kannten jedoch jene Kraft nicht, die in ihnen ein Empfinden für jene Gottesbeziehung weckte, die in der Taufe grundgelegt ist. Daher kommen die Apostel Petrus und Johannes eigens und „legten ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist“.
Dieses Auseinanderfallen von Taufe und Geistempfang hat in der Kirche dazu geführt, dass aus Handauflegung, Salbung und der vollmächtigen Bitte um den Empfang des Heiligen Geistes ein eigenes Sakrament wurde: die Firmung. Sie wurde seither erst dann gespendet, wenn der Empfänger in der Lage war, die „Eingießung“ des Heiligen Geistes zu bejahen und sein Wirken im Glauben, in der Liebe und im Zeugnis der Hoffnung mitzuvollziehen.
Der Geist erinnert uns an den Sohn. Er öffnet Herz und Geist, unsere Sinne und unseren Verstand für die Gegenwart Christi und für sein Wort und Wirken. Vom Heiligen Geist, dieser unbegreiflichen Gotteskraft, sollen wir uns erreichen und ergreifen lassen.
Wenn mein Vater früher etwas unternahm, dann sagte er oft, er müsse „ein Pack-Ende finden“. Nun wird es Abend und seine Unternehmungen hören auf. Und je später es wird, umso mehr lernt er, nicht mehr ein Pack-Ende zu finden, sondern loszulassen und Gottes Pack-Ende zu werden.
Das will ich noch mit ihm lernen an seinem Lebensabend: dass wir uns ergreifen lassen von Gottes Geist, der uns mit Christus verbindet. Damit wir miteinander schon im Leben seine Liebe finden und in seiner Liebe das Leben. Am Morgen Gottes, der keinen Abend mehr kennt.
Fra‘ Georg Lengerke
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