BDZ vom 8. März 2026
„Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt.“ (Joh 4,14) Gefragt nach Erwartungen für geistliche Tage oder Auszeiten, sagen viele: „Ich muss auftanken.“ Das ist ein verständliches Bild für das berechtigte Bedürfnis eines erschöpften Menschen, sich zu erholen und neue Kraft zu schöpfen....
„Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt.“ (Joh 4,14)
Gefragt nach Erwartungen für geistliche Tage oder Auszeiten, sagen viele: „Ich muss auftanken.“ Das ist ein verständliches Bild für das berechtigte Bedürfnis eines erschöpften Menschen, sich zu erholen und neue Kraft zu schöpfen.
Zugleich wirft das Bild Fragen auf. Nicht nur, weil der Mensch keine Maschine ist und gänzlich andere Bedürfnisse hat als diese. Sondern weil die Zeiten zum Auftanken nur Unterbrechungen jener Alltagszeit sind, die im Verbrennen des Getankten besteht. So als würde der Alltag mit seinen Terminen und Fristen, Anforderungen und Erwartungen vor allem Energie kosten bis wir wieder zum Auftanken kommen und so im sorgfältig berechneten Durchhalten von Zapfsäule zu Zapfsäule, von Auszeit zu Auszeit unser Leben fristen.
Im Gespräch mit einer samaritischen Frau am Brunnen vor den Toren der Stadt Sychar verwendet Jesus ein anderes Bild. Gerade hat er sie um Wasser aus dem Brunnen gebeten und von dem „lebendigen Wasser“ gesprochen, das er seinerseits denen gebe, die ihn darum bäten. Von diesem lebendigen Wasser sagt er, es werde in dem, der es empfängt, „zu einer Quelle werden“.
Das „lebendige Wasser“, das in dem, der es empfängt zur „sprudelnden Quelle“ wird, ist ein Bild des Heiligen Geistes. Diese Quelle nährt und verlebendigt, sie ist richtungsweisend und sinngebend. Sie ist die Gegenwart Gottes im Menschen, der sie in sich und sich auf sie einlässt, der sie sucht, sie heilig hält und sich ihr anvertraut.
Diese Quelle kann schnell verschüttet werden von Lärm und Ablenkung, von Sorgen und Verletzungen, von eigener oder fremder Schuld. Und manche Maßnahme, die scheinbar der Erholung dient, verschüttet sie nur noch mehr.
Die Fastenzeit dient auch dazu, die Sehnsucht nach dieser Quelle wieder zu wecken, sie freizulegen und sie zu reinigen von allem, was sich darübergelegt hat oder als Ersatz für sie eingelassen wurde.
Das gibt sowohl all dem, was unserer Erholung dient, aber auch unserem Leben mit Gott und unserem Dasein füreinander, einen neuen Horizont. Es wird dann nicht mehr allein um erneute „Kraftzufuhr“ gehen (so sehr diese auch immer lebensnotwendig bleibt). Und wir werden immer weniger ein Leben im Modus des Verbrauchs von Tankstelle zu Tankstelle führen. Das tiefere Anliegen wird vielmehr die Wiedergewinnung der Quelle in uns sein, die unserem Leben Kraft und Erkenntnis, Richtung und Sinn gibt und uns aufrecht, entschlossen und mutig gehen lässt.
Wir können einander nicht „lebendiges Wasser“ sein. Aber wir können einander helfen, die „Quelle lebendigen Wassers“ in uns wiederzuentdecken, die Gott ist, und in jedem Augenblick aus ihr zu leben. Und wir können füreinander da sein aus der Wahrhaftigkeit, Vollmacht und Liebe, die sie uns füreinander schenkt.
Fra‘ Georg Lengerke
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