24.08.2025 Lk 13,22-30

Tür ins Licht, Roman Odintsov auf pexels.com
„Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen“ (Lk 13,24a)
Manche Fragen werden nicht gestellt, weil der Frager eine Antwort, sondern weil er Streit sucht. Oder weil er wissen will, ob der Gefragte einer von den Guten oder Bösen ist.
So geht es Jesus immer wieder. „Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?“, fragt ihn einer. Sind es viele, kann es ja nicht so schwierig sein, zu Gott zu kommen. Sind es nur wenige, hat Gott vielleicht kein besonderes Interesse am Menschen.
Statt die Frage nach der Zahl der im Tod Geretteten zu beantworten, sagt Jesus „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen.“ Das klingt, als wäre das Christentum eine ziemlich anstrengende Religion und der Gott der Christen ein unzugänglicher Zeitgenosse.
Aber die „enge Tür“ ist kein Synonym für exklusive Zulassungsbedingungen zu einer endzeitlichen Elite der Geretteten. Sie ist zunächst eine Beschreibung unserer Lebensbedingungen.
Jede kleine oder große Entscheidung ist eine Reduktion und „Verengung“ von unendlichen Möglichkeiten auf eine einzige Verwirklichung hin, aus der sich wiederum eine neue Weite von Möglichkeiten ergibt. Und wie viel Großes haben Menschen vollbracht, weil sie „mit allen Kräften“ gekämpft haben, „durch die enge Tür“ einer neuen Lebensphase, eines nächsten Zieles, einer größeren Liebe zu gelangen.
Die Gemeinschaft mit Gott soll euch nicht weniger wert sein, sagt Jesus, als all jene Güter und Ziele, um die ihr bislang mit all euren Kräften gekämpft habt. Im Gegenteil: Sie soll Euch alles kosten dürfen, weil es um alles, um euer ganzes Leben, eure ganze Geschichte geht. Welche Tür scheint da nicht eng zu werden?
Aber die Enge der Tür, von der Jesus spricht, hat noch einen Grund. Nicht Gott macht die Tür zu sich eng und sich für uns schwer erreichbar. Es ist genau andersherum: Wir neigen dazu, uns schwer erreichbar zu machen für Gott. Weil anderes wichtiger scheint. Weil wir Angst haben. Weil wir nicht lassen können, was uns hält. Wir haben die Tür eng gemacht. In der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus kommt er durch die enge Tür in unsere Unzugänglichkeit, damit wir den Weg zu ihm finden.
Je mehr es uns miteinander darum geht, zugänglich für ihn zu werden, umso weiter wird die Tür zu ihm werden, umso mehr werden wir uns auf die vollendete Liebe Gottes freuen, die die Christen Himmel nennen.
Und wo wir uns miteinander auf den Himmel freuen – da ist uns keine Mühe zu viel.
Fra‘ Georg Lengerke
BetDenkzettel