21.12.2025 Römer 1,1-7

Salbung Davids durch Samuel, Raphael, Vatikanische Museen
„Paulus, Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert, das Evangelium Gottes zu verkünden“ (Röm 1,1)
Was weg kann, wird ausgesondert. Und was ausgesondert wird, kann häufig weg. Das machen Menschen mit Dingen so – oder mit anderen Menschen. Aussonderung ist Ausschluss. Wo sie unsachgemäß oder unmenschlich erscheint, wird dagegen zurecht Aufbewahrung oder Integration gefordert.
Manchmal sondern sich Menschen auch selbst aus oder ab. Sei es aus Egoismus oder Abneigung, aus Angst oder Ekel; oder aber, weil sie außerhalb ihrer Gemeinschaft erstwichtig in Anspruch genommen werden.
Paulus schreibt am Anfang des Briefes an die Römer, er sei „ausgesondert, das Evangelium Gottes zu verkünden“. Das mag für viele nach Überlegenheit oder einem exklusiven Wahrheitsanspruch klingen.
Aber für Paulus gehört Aussonderung zur Berufung. Seine erste Missionsreise beginnt damit, dass im Gottesdienst der Hl. Geist sagt: „Wählt [wörtl. sondert] mir Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe!“ Und den Galatern schreibt Paulus, Gott habe ihn „schon im Mutterleib auserwählt [wörtl. ausgesondert] und durch seine Gnade berufen“ (Gal 1,15, vgl. Jes 49,1).
Das ist bei jeder Inanspruchnahme in jeder Beziehung so, zu Menschen wie zu Gott. Wo wir gemeint sind, werden wir herausgerufen aus dem Allgemeinen, aus dem allen Gemeinsamen – und hinein in das Besondere, Individuelle, Unvertretbare, in das nur mir, nur jetzt, nur so Gesagte. Und damit zugleich in die Entscheidung, was und wie ich antworte.
Je mehr das Gemeinschaftliche betont wird, umso mehr sollten wir unsere Ohren und Sinne öffnen, wo wir herausgerufen werden, um zu vernehmen, was nur uns gesagt wird.
Das gilt auch von Weihnachten. An kaum einem Fest wird die Gemeinschaft derartig betont. Manchmal wird sie auch so idealisiert, dass Spannungen, vielleicht sogar Verwerfungen und der Kater danach unvermeidlich sind.
Das kleine Wort „ausgesondert für das Evangelium“ in der Lesung erinnert mich daran, dass das Geschehen von Weihnachten nicht allein eines ist, um das wir uns versammeln sollen. Vielleicht ist das Kommen Gottes als ein Menschenkind auch ein Geschehen, dass mich aussondert und herausruft.
Zumal Jesus ja selbst „ausgesondert“ wird: In der Gemeinschaft der Menschen ist kein Platz für ihn. Er wird geboren außerhalb der Stadt, so wie er auch stirbt außerhalb der Stadt. Dorthin soll ich gehen, um ihm zu begegnen. Dorthin soll ich bringen, was ich bin und habe. Dort soll ich hören, wer er für mich ist und wer ich für ihn bin, was er für mich tut und was ich mit ihm tun darf.
Dann wird, wer ausgesondert wurde, wieder hineingeschickt in die Gemeinschaft und zu den Menschen und in ihren Alltag. Dort wird er an seiner Stelle mit Jesus für die Anderen da sein. Und zwar so, wie nur er und keiner sonst es vermag.
Fra‘ Georg Lengerke
BetDenkzettel