01.01.2026 Offenbarung 21,1-7

Siehe ich mache alles neu.
Ein BetDenkzettel zur Jahreslosung 2026: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu“ (Offb 21,5)
Generationswechsel auf einem Hof: Die alten Eltern ziehen um in ein kleineres Altenteil. Die jungen Leute beziehen das Haupthaus. Einige Möbel nehmen die Alten mit. Ein paar übernehmen die Jungen. Vieles kommt weg. Die Jungen versetzen Wände, streichen neu, bauen die Veranda um und daneben einen Carport. „War es denn nicht gut, wie wir es gemacht haben?“, fragt die alte Bäuerin ihren Mann.
„Wir machen alles neu.“, sagt der Sohn einem Nachbarn. Und als die Bäuerin das vom Nachbarn hört, spricht sie lange gar nicht mehr mit den Kindern.
„Seht, ich mache alles neu!“, hört der Seher Johannes in einer Vision am Ende des Neuen Testamentes Gott sagen. Wie klingt dieses Wort aus dem Mund von Menschen für Euch?
Es kann bedrohlich oder rettend oder töricht klingen. Bedrohlich, wenn das, was unser Leben ausgemacht hat, ausgewechselt, verworfen und abgetan werden soll. Rettend, wo das Leben vergeblich oder eine Schuld unerträglich scheint und nur etwas Neues uns retten kann. Töricht, wenn jemand meint, ab morgen einfach ein anderer, neuer Mensch sein zu können.
Aber das Neu-Machen Gottes ist nicht zu vergleichen mit dem Neu-Machen der Hoferben oder der Erneuerungsbemühungen von uns Menschen. Im Griechischen gibt es zwei verschiedene Worte für neu: neos und kaina. Neos bedeutet zeitlich neu, neu gemacht, frisch oder jung. Kaina bedeutet verwandelt, qualitativ neu, ganz zu sich gekommen. In der Offenbarung steht idou kaina poio panta – Siehe, ich werde alles verwandeln.
Gott ersetzt nicht einfach Altes durch Neues wie nach einem Totalschaden. Er restauriert auch nicht bloß das Vergangene, renoviert nicht nur das Altgewordene oder repariert das Funktionsuntüchtige. Das Neue Gottes ist weder Ersatz noch Mängelbehebung. Wenn Gott alles neu macht, dann hebt er die Geschichte unseres Lebens nicht auf, von der unsere Falten, Schrammen und Wunden erzählen. Es gibt „Gebrauchsspuren“ der Liebe, die nicht wegretuschiert werden dürfen, wenn unser Leben Sinn machen soll.
„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ Und damit sagt er: Ich verwandle alles, was ist, in das, was es für immer sein soll. Gott wird „alle Tränen abwischen“, sagt Johannes kurz zuvor, aber keine Träne wird vergeblich geweint sein. „Der Tod wird nicht mehr sein“, sagt Johannes, aber niemand ist umsonst gestorben und die Toten finden in das Leben, das der Tod nicht töten kann.
Unser je eigenes Leben und die Weltgeschichte haben ein Ziel: Das ist die vollkommene Gemeinschaft mit Gott. Zu ihr hin gibt Gott allem eine Richtung und einen Sinn. Um ihretwillen wird Gott ein Mensch. Und wo wir sie glaubend, hoffend und liebend suchen, da beginnt das Neue Gottes. Da wird die Entfremdung überwunden und die Welt beginnt durchsichtig zu werden auf den Himmel hin.
Wo das geschieht, da dankt der Erbe für das Gute, das er von den Eltern bekommen hat. Da freut sich die Bäuerin über die Erneuerung, die mit den Kindern ins verwohnte Haus kommt. Und da erkennen Jung und Alt, dass das Stück Erde, das ihnen anvertraut war, dazu da war, sie dem Himmel ein Stück näher zu bringen…
…von dem Gott sagt: „Siehe, ich mache alles neu.“
Fra‘ Georg Lengerke
P.S.: Wegen eines Exerzitienkurses erscheint der nächste BetDenkzettel zum Fest der Taufe des Herrn am 11. Januar 2026.
BetDenkzettel