18.01.2026 Johannes 1,24-39

Peter Paul Rubens, Die Jungfrau und das Kind mit den Heiligen Elisabeth und Johannes dem Täufer, 1632
„Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, damit er Israel offenbart wird.“ (Joh 1,31)
„Darf ich bekannt machen?“ ist eine rhetorische Frage gesellschaftlicher Konvention. In der Regel folgt dann die Vorstellung einer mir bisher unbekannten Person. Der, der mir den Anderen vorstellt, muss ihn nicht besonders gut kennen. Es reicht, wenn er seinen Namen weiß und vielleicht noch, warum diese Begegnung für einen von uns beiden relevant sein könnte. Oftmals wird sich der vorstellende Dritte dann zurückziehen und uns unserer Unterhaltung überlassen.
Das ist die Rolle Johannes‘ des Täufers. Er erkennt in Jesus den, den die Propheten das „Lamm Gottes“ nennen und der göttliche, Sünden vergebende Macht hat. Mehr scheint Johannes nicht von Jesus zu wissen. (Auch wenn die christliche Kunst Jesus und Johannes als Knaben zu Füßen ihrer Mütter miteinander spielen lässt.) „Auch ich kannte ihn nicht“, sagt der Täufer. Aber das reicht. Seine Aufgabe ist es, mit Wasser zu taufen, „damit er [Jesus] Israel offenbart werde“, wie es dort wörtlich heißt. Johannes schafft den Raum, in dem Jesus vom Heiligen Geist als „Sohn Gottes“ offenbar wird.
Versetzen wir uns einmal in diese Szene, in der Johannes Jesus auf sich zukommen sieht und auf das „Lamm Gottes“ weist. Was würde uns der Hinweis des Täufers sagen? Auf der einen Seite kann er uns sagen, dass wir Ausschau halten sollen nach Menschen, die uns auf Jesus hinweisen, damit er selbst sich uns offenbaren kann, damit wir ihn kennen lernen und mit ihm zu kommunizieren, zu leben und mit ihm die Menschen zu lieben beginnen.
Auf der anderen Seite mag uns Johannes sagen, dass wir nicht warten sollen, bis wir Jesus in- und auswendig kennen, um ihn und die Menschen miteinander bekannt zu machen. Es reicht, dass wir ihn zu erkennen begonnen haben, um andere auf ihn hinzuweisen. Alles andere findet sich.
„Darf ich bekannt machen?“—O ja, das solltest du unbedingt tun.
Fra‘ Georg Lengerke
BetDenkzettel