25.01.2026 1 Korinther 1,10-13.17

Eine der frühesten Taufdarstellungen aus der Kallistuskatakombe, Rom, 3. Jahrhundert
„Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?“ (1 Kor 1,17)
Am Vorabend dieses Sonntags habe ich einen kleinen Jungen getauft. Dabei wird dem Täufling gesagt: „Aufgenommen in das Volk Gottes wirst du nun mit dem heiligen Chrisam gesalbt, damit du für immer ein Glied Christi bleibst.“ Die Zugehörigkeit zu Christus ist für die meisten Gläubigen kein Problem. Aber „aufgenommen in das Volk Gottes“ zu sein, stößt eher auf Skepsis. Ein Grund hierfür ist die Zerstrittenheit der Kirche.
Die ist ein Skandal. Und der ist nicht neu. In der jungen Gemeinde in Korinth sah es kaum besser aus. Paulus wirft den dortigen Christen alle möglichen moralischen und geistlichen Missstände vor. Vor allem aber gibt esSpaltungen. Und die machen sich an Personen fest: Der eine sagt, er gehöre zu Paulus, ein anderer gehöre zu Apollos, ein Dritter zu Petrus, wieder einer sagt: „Ich gehöre Christus.“
Letzteres sollten ja eigentlich auch wir sagen können. Und mit unserem Gebet und unserer Hilfe soll auch unser Täufling einmal sagen können: „Ich gehöre Christus!“ Würden das alle Christen sagen (und darunter auch dasselbe verstehen!), dann gäbe es keine Spaltungen.
Aber die Korinther haben aus Christus einen der Wort- und Parteiführer in der Kirche gemacht, wie Paulus, Apollos oder Petrus es sind. So wie bis heute jede Partei in der Kirche versucht ist, sich für die Partei Christi zu halten.
Eigentlich dürfte die Frage, zu wem einer gehört, in der Kirche gar nicht gestellt werden. Damals nicht in Korinth und heute nicht in Deutschland. Wer Christus gehört, gehört eben nicht dem Paulus oder dem Apollos, nicht dem Synodalen Weg oder dem Neuen Anfang, nicht diesem Bischof oder jenem charismatischen Leiter und nicht den Kirchenträumen irgendeiner Organisation oder Bewegung.
Wer Christus gehört, gehört auch nicht mehr den Autoritäten seines bisherigen Lebens. Wer sagt: Ich gehöre Christus, sagt zugleich: Ich gehöre nicht mehr meinem Vater oder meiner Mutter, nicht meiner Arbeit oder meinem Arbeitgeber, nicht dem Netz oder einem gigantischen Rechner – nicht einmal dem geliebtesten Menschen.
Warum ist das so? Warum können wir Jesus Christus gehören und mit ihm gehen, ohne unser Leben zu verlieren? Weil er Gott ist, der Mensch wurde. Und weil er bis dahin gegangen ist, wohin wir geraten sind, wohin es mit uns gekommen ist.
Wir sind nicht auf Paulus getauft worden, weil nicht Paulus für uns gekreuzigt wurde, schreibt der Apostel. Wir sind auf Christus getauft, weil Christus für uns gekreuzigt wurde und in unsere Gottesferne kam. Und weil wir in der Taufe Anteil bekommen an seinem Leben, das der Tod nicht töten kann.
Beim Fest der Taufe des Herrn wird erzählt, wie Jesus in das Wasser des Jordan eingetaucht ist. Damit wurde das Wasser zu einem Zeichen der Gemeinschaft mit ihm. Heute können wir dem Täufling und einander sagen:
Christus ist eingetaucht in dein Leben und in deinen Tod, damit du mit ihm auftauchst in der Taufe – als von Gott Geliebter und als mit Gott Liebender, der zurückgeht zu den Verlassenen, um neu für sie da zu sein und mit ihnen sagen zu können:
Wir gehören Christus.
Fra‘ Georg Lengerke
BetDenkzettel