Und was macht dein Licht?

08.02.2026    Jesaja 58,7-10 Matthäus 5,13-16

Und was macht dein Licht?

Licht der Welt

„Wenn du Unterjochung aus deiner Mitte entfernst … dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.“ (Jes 58,9.10)

Von Liebenden, Begeisterten oder glücklich Beschenkten sagt man: Sie strahlen. So als stünden sie nicht nur im Licht, sondern trügen Licht in sich.

Beim Propheten Jesaja und in der Bergpredigt ist von Menschen die Rede, die wie Licht strahlen.

Zum Menschen, der die Unterjochten freilässt, die Hungrigen speist und die Unbehausten aufnimmt, der die Nackten bekleidet und sich seiner Verwandten annimmt, sagt der Prophet: „Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot und deine Heilung wird schnell gedeihen.“ Der Mensch im Dienst der Gerechtigkeit und Liebe Gottes kommt in Ordnung und kommt zu sich.

Das Evangelium sagt, Gott selbst sei das „Licht der Welt“ (Joh 8,12), das in die Welt kommt. Er schenkt den Menschen, von ihm her selbst Licht zu sein: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Dieses Wort Jesu am Anfang der Bergpredigt ist kein Lob für geleistete Arbeit, sondern die Beschreibung einer Begabung und Berufung.

Begabung und Berufung gehören zusammen. Wenn sie verleugnet, verdrängt oder verborgen werden, dann bleibt der Mensch unter seinen Möglichkeiten, verwirklicht nicht, was ihm gegeben ist, und verkennt, wer er ist.

Wo ein Mensch aber seine Begabung und Berufung entdeckt, annimmt und verwirklicht, da strahlt etwas von ihm aus wie Licht.

Das Licht-Sein ist ein Bild für das Dasein eines Menschen für einen anderen. Denn das Licht ist vielleicht die allerdemütigste Gabe. Es thematisiert sich nicht selbst. Man sieht den Lichtstrahl erst, wenn er direkt ins Auge oder auf einen Körper fällt und sich bricht. Erst mit dem Körper wird auch das Licht sichtbar, das ihn sichtbar macht.

Dieses Strahlen-wie-Licht eines Menschen bleibt für seine Nächsten nicht ohne Wirkung. Und die kann sehr verschieden sein: Zum einen hängt sie davon ab, ob die Menschen für das Licht empfänglich sind und sich ihm zuwenden oder ob sie es nicht sind und sich abwenden. Nach dem Johannesevangelium beginnt damit das Drama der Menschwerdung Gottes: „Das Licht kam in die Welt, doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.“ (Joh 3,19)

Wo aber die Nächsten eines Menschen für das Licht empfänglich sind, das diesem gegeben wurde, da kann es entweder so sein, dass seine Nächsten dagegen verblassen, oder so, dass sie zum Vorschein kommen. Entweder so, dass sie geblendet, oder so, dass sie sehend werden.

Auch von einem charismatisch begabten Menschen sagt man: Er strahlt. Daran erkennen wir, wes Geistes Kind er ist: Wenn die Menschen um ihn verblassen oder geblendet werden, dann ist sein Strahlen Selbstdarstellung. Wenn sie sichtbar und sehend werden, dann erreicht sie ein Widerschein Christi, der „das Licht der Welt“ schlechthin ist.

Vor vielen Jahren fragte ich eine Friseurin, die neu in der Stadt war, wie es ihr gehe: „Bestens“, antwortete sie strahlend, „von morgens bis abends darf ich tun, was ich am liebsten tue: Menschen schön machen!“

Da dachte ich an die Liebe Gottes im Menschen, von der es heißt, sie sei „Das Licht der Welt“. Und ich habe mich gefragt: Und was macht dein Licht so?

Fra‘ Georg Lengerke

BetDenkzettel 
Georg Lengerke

Der BetDenkZettel ist eine Reihe kurzer Bet- und Denkimpluse zu einem Wort aus den Schriftlesungen der Liturgie von Fra Georg Lengerke.

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