Du Einer und wir Vielen (Pfingsten)

24.05.2026    1 Korinther 12,3b-7.12.13

Du Einer und wir Vielen (Pfingsten)

Michail Wrubel, Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel, 1885

„Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.“ (1 Kor 12,4-6)

An diesem Pfingstfest nehme ich eine Frau in die volle Gemeinschaft der katholischen Kirche auf und spende ihr das Sakrament der Firmung.

Pfingsten ist dafür ein guter Termin. Wir feiern die Ausgießung des Heiligen Geistes über die Apostel nach der Auferstehung und Himmelfahrt Christi. Der Heilige Geist befähigt die Apostel nicht nur, den Menschen jeweils in ihrer Sprache „Gottes große Taten“ zu verkünden.

Der Heilige Geist ist es auch, der die Christen sowohl eint als auch unterscheidet. Damit rührt er an eine Grundfrage des Menschen: Was verbindet mich mit den anderen? Und was unterscheidet mich von ihnen?

Diese Frage kann sehr leidvoll sein: Die einen finden sich ungeachtet ihrer Verschiedenheit gleichgemacht – oder passen sich unter Druck bis zur Unkenntlichkeit an. Die anderen halten sich für derartig verschieden – oder werden von anderen dafür gehalten –, dass sie mit niemandem etwas gemein haben und vereinsamen.

Daher müssen sich die Christen immer wieder ehrlich fragen, worin sie sich einig sind, was sie gemeinsam haben und was nicht. Paulus schreibt den Ephesern, sie sollten sich um die „Einheit des Geistes“ bemühen: „Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.“ (Eph 4,4-6)

Nun ist es aber genau dieser eine Geist, der die Verschiedenheit der Gaben verantwortet und uns Menschen zumutet: „Es gibt verschiedene Gnadengaben“, schreibt Paulus den Korinthern, „aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.“ (1 Kor 12,4-6)

Die Aufnahme und die Firmung an Pfingsten erinnern uns an beides:

An das, was wir gemeinsam haben: dass wir in Glaube und Taufe miteinander zu Christus gehören, wie die Glieder zu einem Leib. Dass es uns miteinander um Gott in Christus geht, um sein Reich und seine Liebe zu den Menschen.

Und an das, was uns unterscheidet, was wir auszuhalten und zugleich füreinander empfangen haben, worin wir uns ergänzen und manchmal zu widersprechen scheinen.

„Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist“, heißt es bei der Firmung. In dir und in mir – könnten wir anschließend sagen – wirkt derselbe Geist, wenn es uns um das Tun des Willens Gottes „wie im Himmel so auf Erden“ geht.

An Pfingsten bringt dieser Geist seine Gaben im einen für den anderen zum Vorschein. An Pfingsten macht er den einen für die Gaben des anderen empfänglich. Seit Pfingsten macht er sie im gemeinsamen Wirken verstehbar und fruchtbar für die Menschen und ihre Freude an Gott.

Fra‘ Georg Lengerke

BetDenkzettel 
Georg Lengerke

Der BetDenkZettel ist eine Reihe kurzer Bet- und Denkimpluse zu einem Wort aus den Schriftlesungen der Liturgie von Fra Georg Lengerke.

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