BDZ vom 5. April 2026
„In der Wirklichkeit des neuen Lebens.“ (Röm 6,4) Liebende wollen beieinander sein. Das Osterfest handelt von der Einswerdung zweier Leben, indem eines am anderen Anteil bekommt. Am Gründonnerstag feiert die Kirche die AnteilGabe am Mensch gewordenen Leben Gottes. Bei der Fußwaschung gibt Jesus den Jüngern nicht nur ein Beispiel. Was er macht, macht er ihnen nicht nur vor, sodass sie es ihm nur nachmachen müssten. Was er tut, das tut...
„In der Wirklichkeit des neuen Lebens.“ (Röm 6,4)
Liebende wollen beieinander sein. Das Osterfest handelt von der Einswerdung zweier Leben, indem eines am anderen Anteil bekommt.
Am Gründonnerstag feiert die Kirche die AnteilGabe am Mensch gewordenen Leben Gottes. Bei der Fußwaschung gibt Jesus den Jüngern nicht nur ein Beispiel. Was er macht, macht er ihnen nicht nur vor, sodass sie es ihm nur nachmachen müssten. Was er tut, das tut er ihnen; was er gibt, das gibt er ihnen. Es geht ihm um sie. Damals wie heute.
Und er gibt ihnen nicht nur etwas, das sie an ihn erinnert. Er gibt sich. In seinem Wort. In Brot und Wein, von denen er sagt, sie seien sein Fleisch und Blut.
Und er gibt ihnen nicht nur sich, sondern auch das Sein mit ihm. Nicht nur sein Leben, sondern auch, mit ihm zu leben. Mit seinem Blick gibt er uns sein Sehen. Mit seiner Liebe gibt er uns sein Lieben. Mit seinem Leib gibt er uns seine Leiblichkeit (das ist die Kirche!). Mit seinem Wort gibt er uns sein Reden und mit seiner Tat gibt er uns das Sakrament, damit sein Handeln im Handeln der Kirche weitergeht bis zur Vollendung der Welt.
Seine AnteilGabe wirbt um unsere AnteilNahme, indem wir nach ihm fragen, auf ihn hören, ihn kennenlernen, mit ihm vertraut werden und ihn maßgeblich werden lassen für unser Leben.
Am Karfreitag gedenkt die Kirche der AnteilNahme Gottes als Mensch am ganzen menschlichen Leben – bis in seine unergründlichen Abgründe von Leid und Schuld, von Angst und Verzweiflung, von Gewalt und Ungerechtigkeit, bis in die Todesnächte der Opfer – und der Täter(!). „Er hat unsere Krankheiten getragen“ (Jes 53,4) Was wir nicht sehen wollten, macht er zu seinem, und die Folgen unserer Schuld nimmt er auf sich. Das Leiden und Sterben Jesu ist kein fremdes, sondern unseres. Ihn dürstet (Joh 19,28). Nach uns. Alles hat er angesehen und angenommen. Consummatum est (Joh 19,30, Vulg.).
Die AnteilNahme Jesu an unserem Leben wirbt um unsere AnteilGabe. Ihm nichts vorenthalten. Auch nicht das Unansehnliche, das Geheime und Verdrängte, das Ungewollte, Verachtete und Verworfene. Er vergreift sich nicht an unserem Schmerz. Er will ihn geschenkt.
In der Osternacht schließlich verkündet die Kirche mit der Auferstehung Jesu die AnteilHabe der Getauften am Leben des Auferstandenen. Im Zeichen der Taufe nimmt der irdische Mensch teil am Tod und der Auferstehung Jesu: „Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod“, schreibt Paulus der Gemeinde in Rom. Aber warum? „Damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln.“ (Röm 6,4) Was ist das, die „Wirklichkeit des neuen Lebens“? Es ist nicht einfach nur das alte Leben, von einer Moral aufgerichtet oder um einen Hoffnungsaspekt erweitert. Es ist auch nicht ein ausgewechseltes neues Leben, sodass das alte abgetan wäre. Nein, es ist unser versehrtes und in die Gemeinschaft mit Christus hineinverwandelte Leben. Das Leben, an dem Christus Anteil nimmt und wir ihm Anteil geben. Und zugleich das Leben, an dem Christus Anteil gibt und wir Anteil nehmen. Das Leben des Menschen, von dem es in der Osternacht heißt, Gott habe ihn „wunderbar erschaffen und noch wunderbarer erneuert.“
Je mehr wir in diesem Leben wachsen, umso mehr verliert der Tod seine Macht und wir unsere Angst, und wir werden mit dem Todesüberwinder mutiger Liebende in einer leidenden Welt, die mit uns auf dem Weg nach Hause ist – ins Licht.
Fra‘ Georg Lengerke
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