Eingeprägt und ausgeprägt Mt 22,15–21

Was wir erleben, was uns gesagt und angetan wurde, ob und wie wir geliebt oder gehasst wurden, prägt uns. Aber auch wie wir leben, was wir denken, sagen und tun, was wir wählen oder lassen, lieben oder hassen, prägt uns.

„Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ Die Antwort Jesu auf die Frage nach der Erlaubtheit der römischen Steuer für Juden hat nicht nur das Verhältnis der Kirche zum Staat geprägt. Sie wirft auch die Frage nach unserer Prägung auf.

Die Kirchenväter sehen nämlich in der Münze des Kaisers Tiberius auch einen Hinweis auf uns Menschen. Als Bild Gottes geschaffen, tragen wir zwar den „Stempel Gottes, doch als seine Münze“, sagt Augustinus, „sind wir vom Schatz weg gekommen. Wir sind in Umlauf geraten, und es wurde abgerieben, was uns aufgeprägt war.“

Wie der Kaiser seine Münze sucht, so sucht Gott uns Menschen. Die Münze gehört dem Kaiser, wir gehören Gott. Gott wird Mensch, sagt Augustinus, um uns „wieder umzuprägen“. Damit wir wieder den sichtbar machen, der uns erschaffen hat.

Schon die Taufe prägt den Christen mit einem unauslöschlichen Prägemal der Zugehörigkeit zu Jesus. Diese Prägung wird dann sichtbar, wenn zu ihr eine Einprägung und eine Ausprägung kommen, die aus der Freundschaft mit Jesus und dem Dasein mit ihm für die Menschen folgt.

Präge Dich mir ein,
in Deiner Liebe zu mir,
in Deinem Dasein für mich,
in Deinem Leben mit mir,
in Deinem Wirken in mir,
in Deinem Wort an mich,
in Deiner Botschaft durch mich.

Damit ich Dich auspräge
in meiner Liebe mit Dir,
in meinem Dasein vor Dir,
in meinem Leben in Dir,
in meinem Wirken für Dich,
in meinem Wort von Dir.
in meiner Sendung durch Dich.

Amen

Fra‘ Georg Lengerke

Schott Tagesliturgie