Musste er oder musste er nicht? (Emmaus)

19.04.2026    Lukas 24,13-35

Musste er oder musste er nicht? (Emmaus)

Duccio di Buoninsegna, Auf dem Weg nach Emmaus, ca. 1308

„Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?“ (Lk 24,26)

Musste er? Oder musste er nicht? Immer wieder ist im Evangelium davon die Rede, dass Jesus „leiden muss“. Sowohl bei den Ankündigungen des Leidens Jesu als auch später auf dem Emmausgang im Rückblick auf das schreckliche Geschehen in Jerusalem: „Musste nicht der Christus das erleiden …?“ (Lk 24,26)

Das klingt, als hätte der Vater den Sohn zum Leiden verdammt. Aber das Wort „muss“ bedeutet hier nicht Zwang (nicht anders können), sondern Notwendigkeit (nicht anders dürfen). Der Vater hat uns Menschen nicht dazu vorherbestimmt, einander leiden zu machen, aber er hat den Sohn dazu bestimmt, das Leiden zu ertragen, das wir einander und ihm zufügen, und es mit Liebe zu erwidern. Nur so finden die Opfer und die Täter Umkehr und Heilung, Versöhnung und Frieden.

Wenn Jesus dem Auftrag des Vaters, ja seinem eigenen Gottsein treu sein will, dann darf er sich dem Leid nicht entziehen. Jesus musste nicht leiden, weil die Propheten das angekündigt haben. So wenig, wie die Sonne heute wegen der gestrigen Wettervorhersage scheinen muss.

Sondern die Propheten haben das Leiden Christi kommen sehen, weil sich die Liebe Gottes unserer Lieblosigkeit nicht entziehen will – ja, nicht entziehen kann, wenn sie wirklich Liebe sein will.

Das gilt auch für uns. Wer wirklich liebt, der leidet auch. Nicht, weil das Leiden etwas Gutes wäre oder weil der Liebe sonst etwas fehlte. Sondern einfach deshalb, weil der liebende mit dem geliebten Menschen, an ihm, für ihn und um ihn leiden wird. Deshalb sagt im Deutschen die Liebe: Ich kann Dich gut leiden!

Solange es der Liebe um den Geliebten geht, muss sie leiden. Wenn es uns wirklich um den Anderen geht, dann sagen wir uns: Da musst du durch. Nicht aus Zwang, sondern weil du liebst und der Geliebte es wert ist.

So geht es Jesus. Er geht an die Stelle des Leidens aller Leidenden und Schuldiggewordenen der Welt, weil wir es ihm wert sind! Er muss nicht müssen. Er will müssen, weil er will, dass wir im Leiden und in der Schuld nicht verloren gehen.

Das hat zwei wichtige Konsequenzen für unsere Zeit:

Zum einen: Das Leid, das wir einander in den kleinen und großen Kriegen dieser Tage zufügen, ist nicht vorherbestimmt und unvermeidbar.

Zum anderen: Es ist unvermeidbar, dass wir als Liebende mit Gott an der Lieblosigkeit der Welt leiden. Von letzterer können wir sagen: Da müssen wir durch. Und da kommen wir durch. Warum? Weil Gott es versprochen hat. Er geht mit. Er will mit uns müssen.

Fra‘ Georg Lengerke

BetDenkzettel 
Georg Lengerke

Der BetDenkZettel ist eine Reihe kurzer Bet- und Denkimpluse zu einem Wort aus den Schriftlesungen der Liturgie von Fra Georg Lengerke.

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