Was ich büßen muss 1 Kön 21,17-29

Erst wollte ich mich vor dieser Lesung drücken. Mich widern der launische, weinerliche Ahas und seine garstige Frau an. Mich irritiert, dass er davon kommen, seine Kinder aber die Folgen seiner Ungerechtigkeit ausbaden sollen.

Während ich noch über eine ungelogene Ausrede nachdenke, merke ich, wie tief ich schon drin stecke. Was urteile ich über die Echtheit der Umkehr des Ahas, die Gott doch annimmt? Wenn es um meine Schuld geht, bin ich bei Gottes Vergebung nicht so zimperlich. Ich finde Gottes Erbarmen mit diesem Mann einfach unerträglich. So sieht’s aus.

Warum kommt nun aber das Unheil über die nächste Generation? Wir dürfen uns das, was die Heilige Schrift „Strafe“ nennt, nicht als willkürliche Sanktion vorstellen. Es ist zunächst einmal Konsequenz menschlichen Tuns und insofern selbst verhängt. Gott lässt diese Folge zu und verantwortet sie. Das ist das „strafende“ oder pädagogische Moment an ihr.

Wir alle stehen unter solchen Folgen. Entweder weil wir zu einer „Kollektivpersönlichkeit“ gehören, die als ganze von den Folgen der Taten einzelner betroffen ist. Ich z.B. büße täglich für die in der Kirche begangenen Sünden – besonders für die Verbrechen von Mitbrüdern. Obwohl ich sie nicht begangen habe. Das schmerzt, lässt mich umkehren und soll mich bessern.

Oder wir leiden an den Folgen der Schuld unserer Vorfahren, die unser Leben als Kinder und Enkel prägt. Auch dann noch, wenn sie sich bekehrt und um Vergebung gebeten haben.

Gott lässt sich als Mensch jede dieser Folgen antun. So werden sie erst „erträglich“ und wir dann von ihnen gelöst. Das ist gemeint, wenn wir beten:

„Du trägst hinweg
die Sünde der Welt.
Erbarme Dich unser!“

Fra‘ Georg Lengerke

Schott Tagesliturgie