Denkt doch, was Ihr wollt 1 Kor 4,1-5

„Es ist mir egal, was Ihr über mich denkt.“ Das würden viele Menschen gerne sagen können. Stattdessen raubt ihnen die Sorge über das Urteil der anderen den Schlaf. Anderen ist das Urteil ihrer Mitmenschen egal. Die machen nur das, was ihnen gefällt.

Solche Selbstgerechtigkeit ist Paulus fremd. Er möchte als „Diener Christi“ und als „Verwalter von Geheimnissen Gottes“ wahrgenommen werden. Und was er „verwaltet“ bzw. „austeilt“ (im lateinischen Text ist von „dispensatores“, „Verteilern von Mysterien Gottes“ die Rede) gehört nicht ihm und nicht den Menschen, sondern Gott.

Paulus selbst wusste, dass Jesus Christus auch durch das Urteil und Wort von Schwestern und Brüdern zu uns redet, uns ermahnt und korrigiert. Dennoch darf sich das Zeugnis der von Gott anvertrauten Offenbarung und Liebe nicht letztlich vom Urteil der Menschen bestimmen lassen.

Selbst sein eigenes Urteil steht unter Gottes Vorbehalt. Dass er sich selbst nichts vorzuwerfen hat, sagt Paulus, macht ihn noch nicht unschuldig. Gott ist es, der ihn zur Rechenschaft zieht.

Es geht Paulus nicht um die Narrenfreiheit von charismatisch Begabten. Es geht um die Unbestechlichkeit der „Verteiler der Mysterien Gottes“. Wer diese Weitergabe wegen Drohung oder Applauses von Menschen verweigert oder verfälscht, soll wissen, dass die Absicht seines Herzens einmal offenbar wird und er sich einem Urteil stellen muss, das nicht das von Menschen ist.

Paulus ist glaubwürdig, weil er sich dem Gericht dessen stellt, „der das im Dunkeln Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen aufdecken wird“. Wie immer das ausgehen mag. Er vertraut darauf, dass schließlich, „jeder sein Lob von Gott erhalten“ wird.

Fra‘ Georg Lengerke

Schott Tagesliturgie