03.08.2025 Kolosserbrief 3,1-5.9-11

Rembrandt, Der Geldwechsler, 1627
„Richtet euren Sinn auf das, was oben ist.“ (Kol 3,2)
Es gibt eine Weise, mit sich selbst und seinem Kram beschäftigt zu sein, die zum Verzweifeln ist. Vor allem, wenn das, womit wir beschäftigt sind, so wichtig wird, als hinge unser Leben davon ab.
Relativ harmlos kennt das mancher, wenn er vor dem Urlaub nicht fertig wird mit dem Kofferpacken. Schon nicht mehr ganz so harmlos geht es denen, die beim Spielen nicht verlieren können. Ganz ernst wird es da, wo sich Menschen nahezu ausschließlich über das definieren, was sie haben oder können.
Von einem solchen „reichen Mann“ erzählt Jesus im Gleichnis (Lk 12, 13-21). Er will seine reichliche Ernte in Scheunen unterbringen und wähnt sich und sein Seelenheil sorglos sicher. „Du Narr!“, sagt die Stimme Gottes zu ihm. „Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast?“ Die Scheunen sind wichtig. Aber sie geben uns keinen rettenden Sinn, für den sich zu leben und zu sterben lohnt.
„Richtet euren Sinn auf das, was oben ist, nicht auf das Irdische“, schreibt Paulus den Christen in Kolossä. Sie sollen das Irdische nicht verachten. Sie sollen nur einmal davon absehen und denkend Ausschau halten nach dem, worauf das Irdische uns verweisen kann. Auf sein Woher und Wohin – „auf das, was oben ist“.
Was ist oben? Oben, schreibt Paulus den Kolossern, ist Christus. Oben ist Gott, der sich als irdischer Mensch der irdischen Menschen angenommen hat. Aber mit ihm sind dort „oben“ auch die, die zu ihm im Leben und Sterben und in seiner Auferstehung gehören wollen. Euer Leben, sagt Paulus, ist noch gar nicht zur Gänze zum Vorschein gekommen. „Es ist mit Christus verborgen in Gott.“ Und „wenn Christus, unser Leben, offenbar wird“, so der Apostel weiter, „dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.“
Heute wird in der Sonntagsmesse in der Asamkirche in München eine junge Frau gefirmt. Sie hat in der Begegnung mit behinderten Menschen, im Absehen von sich selbst und im „Nach-oben-Schauen“ mit ihnen die Liebe Gottes zu sich und den anderen neu entdeckt. Sie hat sie als Einladung verstanden, mitzulieben, und erfahren, dass im Geliebtwerden und Lieben etwas Neues von ihr zum Vorschein zu kommen beginnt.
Die Offenbarung des neuen Menschen, von der Paulus spricht, geschieht dort, wo wir geliebt werden und lieben. Wo wir der Liebe Christi und unserer Nächsten trauen und mit ihm lieben lernen, da wird unser ursprüngliches Menschsein von Gott schon hier immer mehr zum Vorschein kommen, bis wir einmal zusammen mit Christus „offenbar werden in Herrlichkeit“.
Fra‘ Georg Lengerke
BetDenkzettel