17.08.2025 Lk 12,49-53

250817 Kerzenschmerz am Fenster
„Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“ (Lk 12,49)
„Irgendwie gibt es einem ja immer einen Stich“, sagt die Taufpatin leise, als ich ihr erkläre, wann bei der Taufe die Taufkerze an der Osterkerze angezündet wird. Sie hatte die Taufkerze wirklich meisterlich geschmückt. Es tat ihr leid um das schöne Werk. Das mit dem Stich verstehe ich. Aber dazu ist die Kerze da. Und so ähnlich ist es auch mit dem Menschen.
„Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen“, sagt Jesus. Das Feuer ist eines der gewaltigsten Bilder für die Gegenwart und das Wirken Gottes. Feuer ist Licht und Wärme, Reinigung und Verwandlung, Leidenschaft und Vernichtung. In der Heiligen Schrift begegnet Gott den Menschen immer wieder im Feuer, und wer von ihm ergriffen wurde, der wurde meist auch für ihn entbrannt.
In der Jugend kommt es vor, dass man lichterloh für dieses oder jenes brennt. Später wird dieses Brennen dann (hoffentlich) fokussierter, besonnener und stiller. Auch wenn es noch immer Lebenskraft kostet und noch immer machtvoll ist.
In der christlichen Spiritualität ist die Kerze dafür ein gutes Bild. Sie ist dazu da, angezündet zu werden und zu leuchten, zu trösten, von dem zu erzählen, der „das Licht der Welt“ ist, und die, die an ihn glauben, daran zu erinnern, dass sie es mit ihm sein sollen. Aber das tut sie um den Preis ihrer Existenz. Zu brennen kostet sie alles.
Freilich sollte sie klug eingesetzt werden und da brennen, wo sie gebraucht wird. Und sie muss gepflegt werden. Meine jungen Mitbewohner lächeln immer ein wenig über die Sorgfalt, mit der ich jedes Jahr die Osterkerze mit zusätzlichem Wachs „füttere“ und Rand und Docht schneide, damit sie nicht hohlbrennt oder ausläuft oder rußt.
Ihre schöne Kerze muss brennen, wenn sie ihren Zweck erfüllen soll, sage ich der Patin später. Würde man sie schonen, wäre sie vergeudet. Oder sie steht makellos schön im Sonnenlicht am Fenster und schmilzt im fremden Licht, ohne je Feuer gefangen zu haben.
So ist es auch mit dem Menschen. Wir sind berufen zur Liebe. Das ist der Sinn unseres Lebens. Die Liebe soll klug sein und besonnen – und brennen, ohne auszubrennen, leerzulaufen oder zu rußen. Aber dennoch darf sie unsere Lebenskraft kosten. Denn dazu ist uns das Leben gegeben. Schonung wäre Vergeudung.
Einmal werde ich darum bitten, dass an meinem Sterbebett meine Taufkerze brennt. Um mich zu erinnern, dass Gott für uns brennt. Und dass wir nicht vergeblich gebrannt haben – mit Ihm für die Menschen und mit den Menschen für Ihn.
Dann wird es auch niemandem mehr leidtun um die schöne Taufkerze.
Fra‘ Georg Lengerke
BetDenkzettel