Wir Glücklichen! Mt 5,1-12a

In den nächsten Wochen wird das Leben für viele wieder schwieriger, einsamer und unheimlicher. Da reicht es nicht zu sagen: „Selig seid Ihr, denn es wird schon wieder!“

Aber gerade das hat Jesus nicht gemeint, wenn er die Armen und Trauernden, die unter Ungerechtigkeit Leidenden und die unschuldig Verfolgten seligpreist. Denn die sind eben nicht selig, weil sie arm, traurig, ungerecht behandelt oder unschuldig verfolgt sind. Sondern sie sind „selig“ oder „glücklich“ im Blick auf das, was Gott hier zu geben begonnen und einmal ganz zu geben versprochen hat: Erbarmen, Trost, Gerechtigkeit und ein Zuhause, das uns keiner mehr nehmen kann.

Die Kirche erinnert und feiert heute die Verbundenheit mit denen, die schon bei Gott sind – den Heiligen. Deren Bedeutung und Freundschaft habe ich erst relativ spät entdeckt: Ihr Zeugnis offenbart mir das Leben, das Gott in dieser wirklichen Welt mit mir leben will. Sie beten für mich und gehören zum selben Organismus der Kirche wie ich und gehen so unsere Wege mit. Und schließlich zeigen sie mir das Ziel, an dem mein Leid überwunden ist und meine Heimat bei Gott erscheint, die mir keine Macht mehr nehmen kann.

Es genügt nicht, wenn wir Christen sagen: „Selig seid Ihr, denn es wird schon wieder“. Wir sollten uns mit den Freunden verbinden, die unser Leid überwunden, Gottes Erbarmen gefunden und die Liebe durchgehalten haben.

Sie sagen uns, dass Gott halten wird, was er versprochen hat. Ihre Freundschaft gibt uns Klugheit und Kraft, zu tun, was zu tun ist, den Mut, zu erleiden, was zu erleiden ist, und das Vertrauen, dass wir mit Recht zusammen mit ihnen schon in dieser schweren Zeit „ihr Glücklichen“ genannt werden.

Fra‘ Georg Lengerke

Schott Tagesliturgie