Beim Putzen: Mach Dich bereit Am 3,1-8; 4,11-12

Derzeit fällt die Hilfe aus, die sonst mein Appartement putzt. Also putze ich am Montagmorgen selbst. Statt den BetDenkzettel zu schreiben. Also nicht so ganz stattdessen. Ich putze und muss an das Wort des Propheten Amos denken: „Mach dich bereit, deinem Gott gegenüberzutreten.“

Das es darauf ankommt, ist mir seit einigen Jahren täglich bewusst. Selber putzen übrigens ist dafür eine gute geistliche Übung. Mein Empfinden in der Brust danach ist dem nach der Beichte nicht unähnlich. Die Dinge sind wieder an ihrem Platz. Einiges kann weg. Es können wieder Gäste kommen. Alles eine Vorübung auf mein Treten vor Gott.

Doch bei Amos geht es um mehr. Der Prophet aus dem Süden klagt im Nordreich Israel die Vornehmen des Volkes an. Sie gehören zum von Gott zum Zeugnis „erwählten“ Volk. Sie bilden sich auf ihre Erwählung auch etwas ein, wollen aber von dem Zeugnis nichts wissen. Dafür werden sie zur Rechenschaft gezogen.

Alles hat seinen Grund, sagt der Prophet. Auch das Leiden des Volkes. Das erklärt nicht alles Leid. Ist aber der Kontext, in dem das von Gott erwählte Volk sich zu dem Zeugnis bekehren soll, zu dem es erwählt ist.

Manchmal weiß ich, warum oder wozu ich leide. Meistens weiß ich es nicht. Manche Krankheiten und viel Leid kommen aus meiner Verweigerung des von Gott „erwählten“ Lebens. Andere haben andere Gründe. „Gottes Liebe verantwortet alles, was uns begegnet.“, sagt Heinrich Spaemann. Ich muss verantworten, ob ich mich – wo nötig – zu meiner Erwählung bekehrt habe.

Manche Bekehrung beginnt damit, dass einer seine Wohnung putzt und weiß, dass er vor das Angesicht Gottes treten muss.
Fra‘ Georg Lengerke

Schott Tagesliturgie

Wen mehr lieben? Mt 10,37–42

Ein Abendessen bei meinen Eltern nach dem Jura-Examen. Ich hatte ihnen schon gesagt, dass ich Priester werden wollte. In einer launigen Rede hatte mein Vater meinem Freund und Lerngenossen Thomas gedankt, dass ich dank seiner wenigstens das Erste Examen geschafft hatte. Dann redete ich. Nur kurz. Über „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert…“

Es spricht für meine Eltern, dass das die Stimmung des Abends nicht verdarb. Sie waren gar nicht grundsätzlich gegen meine Entscheidung, so dass ich mit ihnen irgendwie hätte „brechen“ müssen. Es war eher das Pathos des Frischverliebten, der zuhause einen etwas markigen Abgang machen wollte.

Vielleicht wollte ich mir mit dem Satz auch einfach nur nochmal selbst Mut machen.

Ich wusste, dass Jesus nicht gesagt hatte: „Wer Vater oder Mutter weniger liebt als mich, ist meiner wert.“ Er hatte nur gesagt, dass die Allernächsten nicht die Allerersten sein dürfen.

Selbst wenn meine Eltern ganz dagegen gewesen wären, weil z.B. ein Unternehmen gefährdet, eine Tradition zuende oder eine Familie ausgestorben wäre – ich hätte nicht einlenken dürfen.

Genauso wenig wie Väter ihren Söhnen ihre Spielschulden bezahlen oder Mütter sich von der Selbstmorddrohung ihrer Töchter erpressen lassen dürfen.

Wenn wir unsere Nächsten mehr lieben, als den, der die Wahrheit und Liebe selbst ist, dann ist das das tödliche Gegenteil von Liebe.

Lass nicht zu,
dass ich meine Nächsten
mehr liebe als Dich.
Damit meine endliche von Deiner unendlichen,
meine zerbrechliche von Deiner unzerstörbaren,
meine zögerliche von Deiner zuvorkommenden Liebe zu ihnen
lernt und geformt wird.
Amen.

Fra‘ Georg Lengerke

Schott Tagesliturgie

Herr, ich bin nicht würdig Mt 8,5-17

Glaubensgespräch in Ehreshoven. Ein Teilnehmer sagt: „Wenn ich in der Heiligen Messe sagen soll: ‚Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach…‘, dann kann ich nicht mitbeten. Muss das denn sein, dass ich mich da selbst derartig runter mache?“

Das Gebet der Gemeinde vor der Kommunion ist ein Zitat aus dem heutigen Evangelium. Der Hauptmann von Kafarnaum bittet Jesus um die Heilung seines gelähmten Dieners. Doch das Haus eines Heiden konnte Jesus nicht betreten, ohne rituell unrein zu werden.

Der Hauptmann weiß darum. Er bittet Jesus aus der Ferne. Er weiß, wie es in seinem Lebenshaus aussieht. Er tut nicht so, als wäre es das Normalste von der Welt, dass Gott in Person in das Haus seines Lebens eintritt. Er weiß, dass sein unaufgeräumtes Leben und Gott nicht ohne weiteres zusammenpassen. Ich muss dabei an den Chor im Weihnachtsoratorium denken: „Zwar ist solche Herzensstube / Wohl kein schöner Fürstensaal, / Sondern eine finstre Grube…“

Der Hauptmann steht für die vielen Menschen, die sich nur aus der Ferne trauen, Gott um etwas zu bitten. Sein Glaube geht dem Herrn von weitem entgegen. Von weitem glaubt er dem bereits Nahegekommenen.

„Sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund“, bittet der Hauptmann. Genau das erbitten wir für die gelähmte Seele, für unser tiefstes Wesen, für das in uns, dem das unsterbliche Ja Gottes gilt und das ihm antworten kann.

Der fern scheinende Gott ist uns in seinem Wort „näher als wir uns selbst sind“ (Augustinus). Und im Sakrament tritt er bei uns ein, löst unsere Lähmung und würdigt uns, zu einem Ort und Zeugen seiner Liebe für die Anderen zu werden.

Fra‘ Georg Lengerke

Schott Tagesliturgie

Ausnahmsweise…

… ging es gestern mal wieder nicht aus mit dem Schreiben. Daher gibt es heute keinen Betdenkzettel.

Zum Evangelium Mt 8, 1-4 vielleicht nur den Tipp: Beim Beten den Satz nicht vergessen: „Wenn Du willst…“ Und danach fragen, was Er wohl für mich und von mir wollen mag.

Fra Georg Lengerke.

Im Exil 2 Kön 24,8-17

In meinem Flur hängt das Bild von Eugen Kirchner „Der König im Exil“:

Unter einem Himmel mit Schäfchenwolken steht auf einer Wiese ein kleines Häuschen mit Schuppen und Plumpsklo. Vor dem Haus sitzt der König in Brokatmantel, Kniebundhose und Schnallenschuhen mit weißer Perücke und Krönchen auf einem Stuhl. Rechts dahinter rührt auf einem Ofen mit erhobener Nase die behandschuhte Königin eine Suppe um. Von hinter dem König nach links zieht sich eine Wäscheleine, an die ein livrierter Diener Unterwäsche mit Krönchen zum Trocknen aufhängt. Vorne im Bild führt der missgelaunt dreinschauende Dauphin mit Federhütchen einen Mops Gassi. Und statt regierenderweise am Rad der Geschichte zu drehen, dreht der König stattdessen die Kurbel einer Kaffeemühle zwischen seinen Knien.

An dieses Bild musste ich bei der Schilderung der Verschleppung des jungen Königs Jojachin und der Vornehmen Jerusalems nach Babylon denken.

Das Exil ist in der Schrift ein Bild für das von Gott entfremdete Leben. Und in der Geschichte des Volkes Israel ist Babylon der traumatische Ort solchen Exils. In schweren Zeiten war „Exil“ auch das prägende Lebensgefühl der Christen – nach dem Verlust des Paradieses als ungetrübte Gemeinschaft mit Gott.

Auch dieses Bild hat zwei Seiten:

Es kann entweder Ausdruck einer Lebensfeindlichkeit sein, die die Welt nicht ernst nimmt, und das Leben und das Glück immer jeweils woanders sucht.

Oder es beschreibt den aus dem Paradies Gefallenen, der mit Gott die gefallene Welt liebhat und auf seiner Seele (wie der König auf der Leibwäsche) ein unauslöschliches Krönchen eingeprägt hat, dass ihn an seine göttliche Herkunft und Heimat erinnert.

Fra‘ Georg Lengerke

Schott Tagesliturgie